Pädagogik vom Kinde aus

„Kinder sind keine unfertigen Erwachsenen, sondern in jeder Phase ihres Lebens eigenständige Persönlichkeiten“ (Célestin Freinet)

 

Bei uns heißt es: Sich entscheiden können, heißt Verantwortung zu übernehmen. Das Ziel unserer Einwirkung als PädagogInnen muss sein, das Kind in seinem sozialen und intellektuellen Lebensprozess so zu stärken und zu begleiten, dass es ohne Fremdbestimmung seine Persönlichkeitsstruktur entdecken und ausbilden kann. Dies bedeutet, ein Kind im Gespräch beim Herausfinden von Schwierigkeiten und der Entwicklung von Lösungsstrategien zu beraten, damit es im eigenen Lebensprozess weiterkommen kann.

Bildungsziel: Die Schule als Mikrokosmos

Ausgehend von den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen, dem soziokulturellen Hintergrund unserer SchülerInnen, den institutionellen Bedingungen der Schule und unseres Selbstverständnisses von Pädagogik haben wir uns folgende, auch lerninhaltsbezogene Ziele gesetzt:

 

  • Erwerb von Friedens- und Demokratiefähigkeit als persönliche Haltung in Konflikten und als politische Orientierung
  • Entwicklung und Förderung von Selbstbewusstsein
  • Entwicklung eines umfassendes Verantwortungsgefühls


In der PrinzHöfte-Schule wird Lernen nicht erzwungen, sondern ermöglicht und gefördert. Ausgangspunkte des Lernens sind die aktuellen Lernbedürfnisse und die unterschiedlichen Erfahrungshintergründe von SchülerInnen, Eltern und PädagogInnen, die in die Schule eingebracht werden. Die PädagogInnen haben in diesem Zusammenhang die Aufgabe, Material und Erfahrungsmöglichkeiten auszuwählen und bereitzustellen, dabei aber dem Lernbedürfnis der Kinder selbst den Weg damit zu überlassen. Es wichtig, dass die Kinder nicht auf einen bestimmten Umgang mit dem Material verpflichtet werden, sondern darin wirklich frei sind. Begreifen und Aneignen der Mitwelt über künstlerische, handwerkliche Betätigung haben an unserer Schule einen hohen Stellenwert. Durch das Nebeneinander und Miteinander von Spielen, selbstständigem Erforschen, Mediennutzung und künstlerischer handwerklicher Betätigung ist es möglich, den individuellen Bedürfnissen von Kindern zu entsprechen und sie möglichst konstruktiv zu wenden. Kursangebote zur Übermittlung bestimmter Kulturtechniken, fächerübergreifende Angebote, Planspiele usw. haben neben den oben angegebenen Möglichkeiten alle ihren sinnvollen Platz in der Schule.

 

Dieser Vielfalt von Lernformen wird bei der Planung und Gestaltung des Lerngeschehens Rechnung getragen. Um das Ziel „Selbstorganisiertes Lernen“ zu erreichen, ist das Lernen in Angebotsform ein wesentliches Mittel. ,Lernen‘ bedeutet bei uns die Gesamtheit aller in der Schule stattfindenden Aktivitäten. Zu ihnen gehört als wesentliches Element das freie ungebundene Spiel. Im Spiel wiederholen Kinder die Regeln und Strukturen, die für ihren Alltag grundlegend sind. Sie stellen diese Verhaltensweisen im Spiel auf die Probe und sehen daran, inwieweit sie für ihre Belange alltagstauglich und anwendbar sind. Eine weitere Qualität des freien Spiels besteht in der Unabhängigkeit der Kinder von den Erwachsenen. Kinder brauchen diese Unabhängigkeit um selbstständig werden zu können. Spiele finden immer im Grenzbereich, in der Randzone zwischen Fantasie und Wirklichkeit statt: „Aber ich bin doch nicht in Wirklichkeit böse! Ich tu doch nur so!“ Spiel ist der komplexe Prozess, in dem zunehmend gelernt wird, über etwas zu kommunizieren. Er ist damit für die Entwicklung und Benutzung von Sprache und Reflektionsfähigkeit als spezifisch menschliche Phänomene von großer Bedeutung.

Selbstverantwortliches Lernen

In der PrinzHöfte-Schule Bassum planen die Kinder mit individuellen Tages- und Wochenplänen ihre eigenen Lernvorhaben. Dabei lernen sie, ihre eigenen Stärken und Schwächen einzuschätzen, sowie mit und an ihnen zu arbeiten. Aus einem vielfältigen Angebot wählen die SchülerInnen eigene Lernvorhaben, schließen sich den Ideen der MitschülerInnen an oder wählen Unterrichtsangebote der PädagogInnen. Durch regelmäßige Beratungen seitens der PädagogInnen wird eine Ausgewogenheit aller Lernbereiche angestrebt.

Selbstorganisierter Schulalltag

Nicht nur das Lernen, auch der Rest des Schulalltages wird von den Kindern eigenverantwortlich gestaltet. Jedes Kind hat wechselweise verschiedene Pflichten zu erfüllen, zum Beispiel die Leitung der Morgenversammlung, Aufräumen, Tischdienst. Das Einhalten dieser Pflichten regeln die Kinder untereinander. Sie schaffen sich selbst in den Gruppenversammlungen die Regeln im Umgang miteinander und sorgen dafür, dass diese eingehalten werden. Durch das selbstbestimmte Lernen und Arbeiten sammeln die Kinder frühzeitig wichtige Erfahrungen:

 

  • Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit
  • Zeitplanung: Setzen realistischer Ziele
  • Frustrationstoleranz
  • Kooperationsfähigkeit
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Selbstdisziplin

Lernen am Leben und in Projekten

Die Kinder lernen in hohem Maße in Projekten, die sich über wenige Wochen oder über mehrere Jahre erstrecken können. Dabei suchen sie Antworten auf ihre eigenen Fragen und Probleme, und nicht auf die Fragen und Aufgaben der Lehrbücher oder PädagogInnen. Sie finden Inhalte, Ziele und Lösungen selbstbestimmt und gemeinsam mit anderen. Dabei erwerben sie formelles, kognitives Wissen ebenso wie emotionale, soziale, methodische, kreative und praktische Kompetenz.

SchülerInnen lernen voneinander

In der PrinzHöfte-Schule Bassum lernen alle Menschen jeden Alters mit- und voneinander. Neuen Lernstoff erarbeiten sie sich selbst, mit Hilfe anderer SchülerInnen, mit kompetenten Menschen aus der Umgebung oder mit Hilfe der PädagogInnen. An die Stelle von Konkurrenz und Wettbewerb treten Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe.

Altersgemischte Klassen

In der PrinzHöfte-Schule Bassum gibt es keine Jahrgangsklassen, sondern Lerngruppen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Fähigkeiten. In den Gruppen stützen die „Großen“ die „Kleinen“, sie geben ihnen Orientierung und helfen ihnen, in das System hinein zu wachsen. Die Einschulungen geschehen nicht einmal jährlich, sondern fließend über das ganze Jahr verteilt, wenn das Kind schulreif ist. „Quereinsteiger“ in höheren Lerngruppen haben auch die Möglichkeit, dies zu tun. Die Kinder entscheiden in Absprache mit den PädagogInnen, wann sie in die nächsthöhere Lerngruppe wechseln wollen.

Selbstbestimmtes Lerntempo

Durch den selbstbestimmten Tagesplan finden die Kinder ihr eigenes Lerntempo, das ihrem persönlichen Entwicklungsstand entspricht. So kann es sein, dass ein Kind in Rechtschreibung gegenüber seinen Altersgenossen ein Jahr zurück ist, ihnen in Mathematik dagegen zwei Jahre voraus ist. Je nachdem welcher Bereich dem Kind im Moment am wichtigsten ist wird es in seinen selbst gesetzten Schwerpunkten gefördert. Gleichzeitig ist es Aufgabe der PädagogInnen, die Kinder immer wieder zu ermutigen und durch Mitgestaltung des Schulalltags Anreize zu setzen, sich auch (bisher) weniger entwickelten Lernbereichen zuzuwenden (bspw. Kindern die Abrechnung vom schuleigenen Honigverkauf anzutragen, die darin ihre mathematischen Fähigkeiten üben könnten).

Fehler sind erwünscht

In der PrinzHöfte-Schule basiert das Lernen auf Freude und Interesse statt auf Zwang und Druck. Jede Mutter und jeder Vater weiß, dass Lernfreude angeboren ist und keiner Verstärkung bedarf. Fehler sind erwünscht, denn nur so können die Kinder eigenständige Problemlösungen entwickeln. Notendruck und „Sitzenbleiben“ gibt es nicht. Die Leistungskontrollen geschehen individuell und über die Präsentation des Gelernten in den Lerngruppen und Schulversammlungen. Von der achten Klasse an werden die Schüler gezielt auf die Abschlussprüfung vorbereitet.

Zusammenfassung der Elemente einer Pädagogik vom Kinde aus

Innerhalb eines festen Rahmens entscheiden die Kinder selbst über ihren täglichen Lernstoff. Für den Fall, dass ein Kind bestimmte Bereiche ausklammert, versuchen die Pädagogen dem Kind einen Zugang zu diesem Lernstoff zu vermitteln. Oder sie stellen fest, dass für das Kind gerade etwas anderes viel Wichtigeres im Vordergrund steht. Dann ist dies so auch in Ordnung.

 

  • Die Kinder schaffen sich selbst ihre Regeln im Umgang miteinander und sorgen für deren Einhaltung. Dabei hilft ihnen unter anderem eine Streitschlichter-Ausbildung (Unterrichtung in Mediation).
  • Kinder lernen von Kindern. Ältere Schüler übernehmen die Rolle des Helfers, indem sie Kleinere beim Erlernen der Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) unterstützen.
  • Die Kinder tragen in Schülerfirmen schon früh wirtschaftliche Verantwortung.
  • In allen Prozessen werden die Kinder als gleichwertige Partner im Lebensprozess behandelt.
  • Lernen findet ohne Druck mit Freude und Motivation und über selbstverantwortliches Lernen in Projekten statt.
  • In der PrinzHöfte-Schule Bassum tragen die Kinder von Anfang an ein sehr hohes Maß an Verantwortung für sich selbst, für ihre Lernerfolge und für das System als Ganzes.

 

Schon fünfjährige Erstklässler bestimmen ihren Stundenplan weitgehend selbst, sie übernehmen zahlreiche Pflichten (Leiten der Versammlungen, Aufräumen, Putzen), und sie bestimmen mitverantwortlich die Regeln innerhalb der Lerngruppen und der Schule insgesamt. In den Schülerfirmen lernen die Kinder, langfristig Verantwortung für den Erfolg eines Unternehmens zu übernehmen. Im Gegensatz zum lehrerzentrierten Unterricht (der/die PädagogIn bestimmt die Inhalte und das Tempo des Lernens ebenso wie das Einhalten der Regeln im sozialen Bereich) trägt hier jeder Einzelne Verantwortung für das Ganze.

Informationsabende

Es werden in regelmäßigen Abständen Informationsabende in der Schule abgehalten. Die Termine können Sie dem Terminkalender auf dieser Homepage oder der aktuellen Tagespresse entnehmen.